Die Intercard AG – Bericht der HV und Vorstellung des Investmentcase

Der geschätzte Kollege Johannes Wild hat für die Intercard AG (WKN: A0JC0V) eine wirklich interessante Analyse erstellt. Ich freue mich diese mit Ihnen, meinen Leser:innen teilen zu können. Viel Spaß mit diesem spannenden Beitrag!

Ein Gastbeitrag von Johannes Wild.


Am 22.06.2021 fand die Hauptversammlung der Intercard AG statt. In diesem Zusammenhang will ich hiermit über die HV berichten und meine Einschätzung zu Intercard geben. Da der HV Bericht recht lange wurde starte ich direkt mit der Zusammenfassung der Transformationsstory und der Bewertung der Aktie. In meine Bewertung flossen die Informationen von der HV ein. Im Anhang findet ihr den Mitschrieb der Präsentation des Vorstandes sowie meine Fragen auf der HV und die Antworten des Vorstandes. Für interessierte Investoren bietet auch die Präsentation des Vorstandes und die Fragen und Antworten sicherlich einige interessante Details.


Intercard AG Aktiehttps://www.intercard.org/
Anzahl Aktien2.020.663
Kurs (bei Erstellung des Artikels) 6,50 EUR
Marktkapitalisierung13.13 Mio.EUR
AnteileSandpiper Digital Payments AG: 46,8 % Vorstand: 5,0 % Aufsichtsrat: 10,3 % Management: 3,2 % Freefloat: 34,7 %
WertpapierkennnummerA0JC0V


Disclaimer und Einleitung


Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der in dieser Publikation bereitgestellten Informationen übernommen werden.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht zwangsläufig die des Autors wieder. Des Weiteren hafte ich nicht für die Richtigkeit und Vollständigkeit der dargestellten Analysen und der dazugehörigen Informationen. Ich empfehle keine Aktien und übernehme keine Beraterhaftung.
Die Lektüre dieses Berichts sowie der darin dargestellten Analysen kann ein Beratungsgespräch mit dem persönlichen Anlageberater nicht ersetzen. Haftungsansprüche gegen mich die, die mit Schäden materieller oder ideeller Art begründet werden sollen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen beziehungsweise durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenskonflikte:
Ich besitze Anteile an Intercard. Somit bestehen Interessenskonflikte

Bei der InterCard AG handelt es sich um einen Nanocap mit lediglich 13 Mio. € Marktkapitalisierung. Die Aktie ist sehr markteng und nur für erfahrene Investoren geeignet. Interessierte Investoren sollten hier unbedingt mit einem Limit agieren und keinesfalls unlimitiert ordern. In dieser günstigen Bewertung liegt andererseits auch die Chance. Die Aktie befindet sich in meinem Depot.


Was macht Intercard?

Intercard ist ein Anbieter von Chipkartensystemen. Dabei ist Intercard Marktführer im Bereich Hochschulen im DACH-Raum mit einem Marktanteil >80%. Über eine Chipkarte kann der Anwender – heute meistens ein Student – sich authentifizieren um Zutritt zu erlangen, in der Bibliothek sich ausweisen, kopieren, in der Mensa bezahlen, die Fahrradbox aufschließen, Zeiten erfassen, etc.

Hierbei kommt es zu einem technologischen Wandel. Vor vielen Jahren hatte Intercard die Hochschulwelt revolutioniert, indem Transaktionsdaten auf die Chipkarte geschrieben und von dort wieder ausgelesen wurden. Somit wurden unterschiedliche Anwendungen über eine Karte integriert. Das heißt die Chipkarte hat die Informationen zwischen den Anwendungen verbunden. Hier findet nun abermals ein technologischer Wandel statt: Mit dem neuen ID-basierten System wird die Karte nur noch zur sicheren Identifizierung genutzt. Die Transaktionsdaten werden auf einem Server oder in der Cloud gespeichert und künftig nicht mehr auf der Karte (Details siehe Bericht des Vorstands).

Bei der Intercard AG handelt es sich m.E. um eine sehr interessante Wachstumsstory mit starken Zielen. So strebt Intercard abermals eine Verdopplung der Umsätze an und will gemäß Aussage auf der Münchner Kapitalmarktkonferenz dabei gleichzeitig die EBITDA Marge „relevant steigern“ (Gereon Kruse berichtete: https://boersengefluester.de/intercard-starke-ziele/).

Die Transformation

Mit ca. 13 Mio. € Marktkapitalisierung bei einem Umsatz von über 20 Mio. € ist Intercard alles andere als teuer bewertet. Grob abstrahiert befindet sich Intercard, ähnlich wie Vectron, in einer spannenden Transformationsphase. Diese gestaltet sich bei Intercard gleich auf mehreren Ebenen. 6,5 Mio. Schweizer Franken wurden in das IT- und Kassensystem von Polyright investiert. Dieses ID-basierte System kann jetzt in der gesamten Intercard Gruppe verwendet werden. Diese neue Technologie ermöglicht eine relevante Margen- und Umsatzsteigerung:

  • Höhere Margen durch geringeren Hardwareeinsatz: Neue Kunden benötigen weniger von teurer und margenschwacher Hardware-Infrastruktur um mit Terminals auf die Chipkarte Daten zu schreiben oder auszulesen. Stattdessen werden vermehrt Funktionen serverbasiert abgebildet.
  • Höhere Umsätze und Margen durch Integration von softwarebasierten Zusatzdienstleistungen: In die Server-basierte Infrastruktur können neue, App-basierte Anwendungen integriert werden. Dadurch lassen sich margenstarke Softwarelizenzumsätze generieren. z.B. Lösungen zur mobilen Zeiterfassung (https://www.intrasuite.eu/) oder Mobile Payment. Die Verschiebung hin zu margenstärkeren Software-Umsätzen zeigt sich unter anderem auch in der sinkenden Materialaufwandsquote. Diese sank in 2020 um 3,4 Prozentpunkte ggü. 2019. Auf der Münchner Kapitalmarktkonferenz sagte Herr Riesle: Eine Verdoppelung der EBITDA-Marge von ca. 10% auf 20% ist etwas zu weit voran gegriffen. Aber die EBITDA-Marge soll mittelfristig relevant gesteigert werden.
  • Das neue System vereinfacht auch das Umsatzwachstum in neue Branchen und Länder. So können auch Fremdsysteme auf Intercard migriert werden bei dem die Kunden die bereits vorhandenen Chipkarten zur sicheren Identifikation behalten. Ein Wechsel zu Intercard ist zukünftig wesentlich einfacher möglich. Bestehende Teilsysteme lassen sich einfacher in die Intercard Lösung integrieren. Auf dieser Basis will man auch das weitere Wachstum in neue Länder (England, Skandinavien und USA) sowie neue Branchen (Industrie, Kliniken, etc.) forcieren. Konkret plant Intercard in den nächsten Jahren mit einem organischen Wachstum von ca. 8% p.a. und einem anorganischen Wachstum von ca. 10% p.a. Somit würde sich der Umsatz in ca. 4-5 Jahren in etwa verdoppeln.

Geänderte Beteiligungsverhältnisse. Der größte Hemmschuh für den Kurs der Intercard Aktie lag in der bisherigen Aktionärsstruktur mit dem bisherigen Mehrheitsaktionäre Sandpiper Digital Solutions. Dieses Thema hat sich nun gelöst. Auch wenn Sandpiper nicht zum Nachteil von Intercard handelte, so stellte diese Konstellation für die übrigen Aktionäre ein Risiko dar, da die Strategie von Sandpiper nicht klar war. Bei der letzten Kapitalerhöhung wurde Sandpiper verwässert, sodass der bisherige Mehrheitsaktionär seine Mehrheit verlor. https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2021-06/53027635-dgap-adhoc-intercard-ag-informationssysteme-grossaktionaerin-wird-minderheitsaktionaerin-022.htm. Zudem plant Sandpiper die Intercard Aktien an die Aktionäre von Sandpiper abzugeben. Damit kann Intercard nun frei walten und gestalten.

Diese neuen Chancen nutzt Intercard jetzt für gesteigerte IR-Aktivitäten. Die Kapitalmarktkommunikation wird intensiviert. So präsentierte Intercard auf der MKK und wird auch wieder auf dem Eigenkapitalforum präsentieren. Außerdem ist Intercard seit ein paar Tagen auch auf Xetra gelistet. GBC-Research wurde mit einem Research Bericht beauftragt. Dieser wird laut Unternehmensangaben Ende Juli fertig sein. Eventuell bietet sich hier eine Chance, wenn man sich bereits vorher positioniert hat.


Die Aktie von Intercard auf Sicht von 1 Jahr

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