Das Coronavirus hinterlässt weltweit Spuren – das Musterportfolio im Krisencheck

25-04-2020 – Im Musterdepot habe ich die Positionen im Bezug auf ihre “Krisentauglichkeit” überprüft und ich denke jeder Anlage sollte dies für sein eigenes Portfolio auch tun. Dabei lässt sich insgesamt ein erfreuliches Fazit ziehen.


Was ist jetzt wichtig

Was bedeutet “krisentauglich“? Ganz simpel ausgedrückt: das Unternehmen muss in der Lage sein in wirtschaftlichen Krisen über einen gewissen Zeitraum auf die ursprünglich geplanten Zahlungsströme verzichten zu können. Ausbleibende Einnahmen sind dabei das eine, gleichzeitig laufende Ausgaben das andere. Mitarbeiter wollen bezahlt werden, Kredite getilgt etc. Nur solide finanzierte Unternehmen (hohe EK Quote, überschaubarer FK Anteil, belastbare Bilanz) schaffen diesen Spagat. Im Idealfall nutzen diese Unternehmen dann auch noch ihr hohes Liquiditätspolster und kaufen strauchelnde Wettbewerber auf. Doch schauen wir uns nun die Unternehmen im Musterportfolio an (und hier speziell die Schwergewichte):


Wirecard

Wirecard ist solide finanziert und vollbrachte zudem das Kunstwerk die eigene Prognose für 2020 sogar zu bestätigen (Meldung vom 18.03.2020). Zwar ließ man sich dabei die Möglichkeit einer späteren Anpassung offen, jedoch ist die Meldung ein Zeichen der eigenen Stärke. Dax Unternehmen die ihre ursprüngliche 2020er Prognose bestätigen sucht man sonst händeringend. Sicherlich nicht schlecht für das Unternehmen ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung während der Krise hin zu immer mehr (kontaktlosen) Kartenzahlungen. Dazu reihen sich eine Reihe von vielversprechenden Meldungen über vielversprechende Partnerschaften (Grab, Klarna) die sich zukünftig auszahlen dürften. Zudem steht der Abschlußbericht von KPMG bevor. Dieser soll kommenden Montag veröffentlicht werden. Am 30.04. gibt es dann den Geschäftsbericht 2019 und einen Einblick in 2020. Persönlich traue ich Wirecard hier durchaus eine Überraschung zu.


Blue Cap

Auch für die Beteiligungsholding aus München eröffnen die aktuellen Märkte durchaus Chancen. So konnte man durch den Verkauf der Beteiligung em-tec einen “Verkaufspreis im unteren Dritten des zweistelligen Millionenbereichs” erzielen. Hier könnte ein sehr guter Mittelzufluss erzielt worden sein. Diese liquiden Mittel stehen im Konzern nun zur Verfügung um strauchelnde Unternehmen zu übernehmen und unter dem Dach der Holding zu sanieren. Blue Cap wird kommende Woche Mittwoch auf der Münchner Kapitalmarkt Konferenz (MKK) präsentieren und zudem auch zeitnah das Zahlenwerk (GB) für 2019 plus einen möglichen Ausblick für 2020 vorlegen.



Serviceware

Der deutsche Softwarehersteller mit Sitz im mittelhessischen Bad Camberg verfügt durch den erfolgreichen IPO weiter über ausreichend liquide Mittel (ca. 40 Mio EUR) um die aktuelle Krise proaktiv für sich nutzen zu können. Zudem konnte zuletzt der Gewinn eines amerikanischen Großkunden vermeldet werden. Zuvor gelang es zudem einen Dax Konzern von den eigenen Produkten zu überzeugen. Mit den gestern veröffentlichten Q1 Zahlen zeigt sich ein weiteres Wachstum im so wichtigen SaaS (Software as a Service) Bereich der langfristig planbare Erlöse ermöglichen soll. Dieser macht in den Umsatzerlösen bereits 42 % aus.


IVU

Auch das in Berlin ansässige Softwareunternehmen, das sich auf die Entwicklung von Lösungen für den öffentlichen Verkehr, den Güterverkehr und die Logistik spezialisiert konnte zuletzt Rekordergebnisse für 2019 vermelden. Der Umsatz und das Rohergebnis wurden im Vergleich zum Vorjahr um 14 % bzw. 19 % gesteigert, das EBIT legte im Jahresvergleich sogar um über 50 % zu. Sehr starke Zahlen! Zudem verwies man in der Meldung nochmal speziell auf das Geschäftsmodell der IVU hin, welches vornehmlich aus der Entwicklung und dem Verkauf digitaler Produkte besteht. Somit erwartet man auf Basis der letzten Meldung keine wesentlichen Auswirkungen durch das neuartige Coronavirus und geht davon aus die Jahresziele zu erreichen.


Fazit

Auch wenn das aktuelle Marktumfeld weiter sehr schwierig bleibt: die Unternehmen im Musterportfolio zeigen sich bisher sehr robust. Teilweise konnten dabei sogar die Prognosen aufrecht erhalten werden. Ebenso erweisen sich die Bilanzen bisher als belastbar. Somit dürfte sich das getätigte Stockpicking (insbesondere mit dem Fokus auf digitale Produkte) als richtig erweisen. Der Trend zur immer weiter fortschreitenden Digitalisierung dürfte durch die Corona Krise nur weiter an Fahrt aufgenommen haben und die Entwicklung deutlich beschleunigt haben. Digitale Produkte und Dienstleistungen sind dabei nicht auf klassische Lieferketten und physische Präsenz des Menschen angewiesen. Ein Vorteil der sich aktuell klar zeigt.



Sie möchten mehr Inhalte und Artikel vom Langfristanleger erhalten? Dann melde Sie sich jetzt für den Newsletterservice an. Die Anmeldung geht bequem über folgenden Link.


Über den Autor



Disclaimer

Mit der Nutzung der Angebote und Informationen von langfristanleger.net erklären Sie Ihr Einverständnis zu den nachfolgenden Bedingungen:

Alle Texte sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar (§ 85 WpHG). Sie dienen lediglich der allgemeinen und unverbindlichen Information. Es findet keinerlei Anlageberatung seitens langfristanleger.net statt, dieser Blog/ diese Webseite bzw. jeder einzelne Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Investitionsentscheidungen sollten niemals nur auf Basis von Informationsangeboten von langfristanleger.net getroffen werden. Der Inhaber und Autor von langfristanleger.net übernimmt keinerlei Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung der hiesigen Informationen entstehen. Sämtliche Analysen und Kommentare vom Inhaber und Autor auf langfristanleger.net, stellen lediglich private Meinungen dar und sind auf keinen Fall als Empfehlung oder gar Handlungsaufforderung zu verstehen. Siehe hierzu bitte auch die rechtlichen Hinweise und die Datenschutzerklärung. Die Inhalte von langfristanleger.net richten sich ausschließlich an natürliche Personen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland.

Transparenzhinweis, Haftungsausschluss und Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte: Die veröffentlichten Artikel, Analysen, Daten, Tools und Prognosen sind mit größter Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und erstellt. Die Quellen wurden als als vertrauenswürdig erachtet. Der Autor hat diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kann aber die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität, Erhaltung und Erreichbarkeit der angegebenen Daten sowie die Erreichbarkeit der angegebenen Quellen nicht garantieren. Eine Garantie, Gewährleistung oder Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der zur Verfügung gestellten Inhalte und Informationen kann nicht übernommen werden.

Eine Haftung, gleich aus welchem Rechtsgrund, wird nicht übernommen. Soweit es rechtlich möglich ist, sind Schadensersatzansprüche ausgeschlossen.

Sollten Sie sich die auf dieser Seite angebotenen Inhalte zu eigen machen oder etwaigen Ratschlägen folgen, so handeln Sie eigenverantwortlich auf eigenes Risiko. Bitte beachten Sie, dass Wertpapiere grundsätzlich mit Risiko verbunden sind und im Wert schwanken können. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Die Dividende eines Unternehmens ist nicht garantiert, kann gekürzt oder ganz gestrichen werden.

Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und die Datenschutzerklärung. Der Autor hält derzeit Aktien die im Musterportfolio aufgeführt sind.

2 Kommentare

  • krause-joerg1@t-online.de

    Hallo Yannick,

    “Persönlich traue ich Wirecard hier durchaus eine Überraschung zu.”

    Gute Prognose – voll eingetroffen! 🙁 (Typisches Stockpickerpech, ich hoffe Ihre anderen Werte im Portfolio laufen erfreulicher.)

    Jörg

    • Yannick

      Hallo Jörg,

      ja das stimmt – natürlich im negativen Sinne.
      Das Debakel hat mich leider auch erwischt – glücklicherweise konnte ich gleich nach der Adhoc noch einigermaßen aktzeptablen Kursen verkaufen.
      Trotzdem: ich habe hier mächtig dazu gelernt (lernen müssen).
      Und ja, andere Werte bereiten zum Glück mehr Freude 😉

      Gruß

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.